Hannes Wettstein (geboren 1958 in Ascona, verstorben 2008 in Zürich) war einer der innovativsten und einflussreichsten Gestalter der Schweiz. Seine Produkte, Möbel und Innenraumgestaltungen prägen unseren Alltag und das Designverständnis unserer Zeit. Was Wettstein besonders auszeichnete, war sein Drang, die Dinge um ihn herum zu erforschen, zu hinterfragen und neu zu erfinden. So fand er oft zu überraschend schlichten gestalterischen Lösungen. Meist haben seine Werke etwas Besonderes, ja, Geniales an sich, was sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick erschliesst.
Als gelernter Hochbauzeichner bildete sich Wettstein autodidaktisch zum Designer und Architekten weiter. Bereits sein allererster realisierter Entwurf, die Leuchte «Snodo» für Belux, wurde zum einen Designklassiker. Über dreihundert weitere Möbel, Produkte, Innenräume und Set-Designs sollten noch folgen.
Wettsteins in der Schweiz wohl bekanntesten Entwürfe sind die sieben Set-Designs für das Schweizer Fernsehen, die er und sein Team zwischen 2005 und 2007 entwickelten. Mit den Studios, unter anderem für die Sendungen «Tagesschau», «Meteo» und «Sport», prägte er das Bild einer modernen, aber auch traditionsbewussten nationalen Sendeanstalt.
Sein kritischer Blick war auch in der Raumgestaltung gefragt. Dabei arbeitete er oft mit renommierten Architekten, wie Steven Holl, Rafael Moneo oder Gigon/Guyer zusammen.
Hannes Wettstein suchte stets das Kollektiv und die Interaktion mit anderen Kreativen: 1982 wurde er Mitglied beim Büro für Gestaltung in Zürich. Von 1989 bis 1991 war er Mitinhaber der Designagentur Eclat in Erlenbach. 1991 gründete er das Label zed und den Kreativ-Pool zednetwork. 1993 wurde er Partner bei 9D Design in Zürich. Im Jahr 2001 gründete er die zed AG, die 2007 in Hannes Wettstein AG und nach dem Tod des Designers in Studio Hannes Wettstein umbenannt wurde.
In nationalen wie auch internationalen Fachkreisen genoss der Schweizer Gestalter, der in Zürich lebte und arbeitete, ein sehr hohes Ansehen. An zahlreichen europäischen Hochschulen war Wettstein als Dozent tätig. Viele seiner Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und gelten als Designikonen.
Es war Wettsteins Wunsch, dass seine Firma nach seinem Tod weitergeführt wird. Das Studio Hannes Wettstein trägt sein gestalterisches Vermächtnis in die Zukunft.
Seine Persönlichkeit hatte zwei Seiten: einerseits dieses Präzise, Klare, Ernsthafte. Und dann das Verträumte. Wenn wir über technische Details sprachen, wusste er ganz genau, was zu tun ist. Sprach er aber über ein Projekt, beschrieb er es nicht wie ein Designer oder Architekt, sondern er entwickelte es um ein Gefühl herum. Und ganz egal, ob er an einem Hochhaus arbeitete oder an einer Campinggasflasche, für beides hatte er die gleiche Leidenschaft und Energie.
Hannes wollte immer alles wissen, wusste selber ganz viel und gab sein Wissen grosszügig weiter. Er war mit einer Intelligenz ausgestattet, die es ihm erlaubte, in Sekundenschnelle von den ganz grossen Betrachtungen ins kleinste Detail zu zoomen. Für ihn selbst waren diese Gedankensprünge ganz normal, für sein Gegenüber oftmals hartes Gehirntraining. Ich vermisse diese Gespräche.
Hannes Wettstein verschränkte Innenarchitektur mit dem Design von Möbeln und Objekten zu einer Einheit. Das machte ihn so einzigartig. Seine Werke offenbaren die Präzision, mit der er gestaltete. Was sie auszeichnet, sind ihre Subtilitäten, wie sich sanft die Intention einer Fläche oder eine übertriebene Dimension offenbart. Die Meisterschaft und Sicherheit, mit der sich Hannes Wettstein in der Welt der Innenarchitektur bewegte, ist in seinem gesamten Werk präsent.